Theater: Schauspieler wachsen über sich hinaus

Kaisersesch. Gelbe Schuhe, gelbe Schals, gelbe Sakkos ... Gelb löst beim "beliebtesten Mann des Städtchens" Panik aus.

Kein Wunder, denn die Farbe der neuen Sachen, die seine Mitbürger hemmungslos auf Pump einkaufen, symbolisiert den Sieg des Geldes über die Moral. Die Tragikkomödie "Der Besuch der alten Dame" nach Friedrich Dürrenmatt als Inszenierung der Freilichtbühne am schiefen Turm in Kaisersesch fesselt die Zuschauer bis zur letzten Minute. Denn die Truppe unter der Regie von Helmut Mattern und Stephan Hilken meistert das tiefsinnige Stück von Schuld und Rache, Korruption und Scheinheiligkeit mit Bravour. Hut ab, besser geht’s kaum.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

Güllen nennt Dürrenmatt die verarmte Kleinstadt in Anlehnung an das Wort "Gülle", um das Anrüchige der vermeintlich braven Bürgerschaft zu entlarven. Aus Güllen wird Claire Zachanassian (Susanne Schubert) einst als 17-Jährige verjagt, schwanger vom damals 19-jährigen Alfred Ill (Thomas Ellerich), der seine Vaterschaft mit dem Kauf von falschen Zeugen vor Gericht verleugnet. 45 Jahre später kehrt Claire als alte, schwerreiche Dame nach Güllen zurück, um nun ihrerseits die ganze Stadt zu kaufen. Sie verspricht den Bürgern eine Milliarde unter der Bedingung, dass sie Alfred Ill töten.

Bereits die Ankunft der alten Dame ist skurril und lässt ahnen, dass sich das Geschehen in Güllen immer grotesker entwickelt. Wie selbstverständlich zieht Claire die Notbremse am Bahnhof von Güllen, wo schon lange kein wichtiger Zug mehr hält. In Windeseile trommeln der Bürgermeister (Stephan Hilken) und die Lehrerin (Kerstin Roscher) die Honoratioren der Stadt und den gemischten Chor zusammen, um den Besuch gebührend zu empfangen. Schließlich erwarten sie von Claire, die mit Butler (Otto Kreschel), Bodyguard (Bernd Venus), ihrem achten Ehemann (Gerd Röser), einer Sänfte, einem Sarg und einem schwarzen Panther im Gefolge eintrifft, dass sie ihnen als gebürtige Güllenerin finanziell aus der Patsche hilft. Unter den ersten Bürgern der Stadt ist auch Ill, von dem erwartet wird, dass er als Claires Jugendfreund die Milliardärin zur großzügigen Spende überredet.

Doch Claire, elegant und eiskalt, verletzt und spöttisch, wunderbar dargestellt von Susanne Schubert, stürzt die Güllener mit ihrer Bedingung in arge Bedrängnis. Vom Bürgermeister über den Pfarrer (Stefan Gasser) bis hin zur braven Ehefrau Ills (Katrin Drogi) verfallen alle dennoch nach und nach der verführerischen Aussicht auf Reichtum und machen allein Ill mit seiner Schuld gegenüber Claire für ihre eigene Unmoral verantwortlich. Bis zuletzt kämpft einzig die Lehrerin, um Ills Schicksal zu wenden. Doch in der Bürgerversammlung in Anwesenheit der Presse hält sie eine flammende, zweideutige Rede, die, wenn man es denn will, die Tötung Ills rechtfertigt. Zum Schluss stöckelt auch die Lehrerin auf gelben High Heels durch die Menge. In deren Mitte erleidet der unglückliche Ill, der am Ende seine Schuld erkennt und sein Schicksal mit Würde entgegennimmt, "den Tod durch Herzschlag".

Den Charakter und die Entwicklung Ills spielt Ellerich in seiner ersten und sogleich sehr schwierigen Hauptrolle mit Hingabe und Glaubwürdigkeit. Hilken, als Hauptdarsteller erfahren, zeigt in seiner Rolle als verlogener Bürgermeister erstmals, was er wirklich als Schauspieler kann. Bewundernswert ist der Mut von Kirsten Roscher, die auf der Bühne die Verzweiflung der Lehrerin herausschreit. Und allen anderen Darsteller, in welcher Rolle auch immer, gebührt Hochachtung für ihre Leistung. Bleibt nur noch der Aufruf: Unbedingt anschauen! Es gibt noch Karten für die nächsten Aufführungen am 22., 23., 29. und 30. Juli, um 20 Uhr: Buchhandlung Walgenbach, Sportstudio Krechel in Kaisersesch sowie Buchhandlung Layaa-Laulhé in Cochem oder www.theater-kaisersesch.de

Bildinformation: Der Theaterverein Kaisersesch spielt im historischen Ortskern der Stadt das Stück "Der Besuch der alten Dame".
Fotos: Kevin Rühle

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