Nahwärme: Kaisersesch ist wie dafür gemacht

Kaisersesch. In Kaisersesch könnte schon bald das größte Nahwärmenetz des Kreises Cochem-Zell entstehen: 107 Gebäude könnten daran angeschlossen werden.

Die Eifelstadt beteiligt sich an dem Projekt "Energiedorf Cochem-Zell" (siehe Zusatztext), für das erst kürzlich mit der Übergabe eines Förderbescheides der Startschuss fiel. Grundlage für die Pläne in Kaisersesch ist ein sogenanntes integriertes Quartierskonzept, das auf bestimmte Teile der Stadt zugeschnitten wurde. Mit Prof. Peter Heck, dem geschäftsführenden Direktor des Instituts für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umweltcampus Birkenfeld, sprach die RZ über die Vorzüge der Quartierslösung und darüber, wie die nächsten Schritte in dem Projekt aussehen werden.

Von David Ditzer

Insgesamt 14 Städte und Gemeinden haben sich darum beworben, beim Kreisprojekt "Energiedorf Cochem-Zell" mitzumachen. Nach Auskunft der Verwaltung werden alle die Möglichkeit zur Teilnahme bekommen. Kaisersesch ist die erste Kommune im Kreis, deren Förderantrag von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bewilligt wurde. IfaS-Leiter Heck hält fest: "Wir haben in Kaisersesch eine super Situation, weil wir in dem Quartier große Energieverbraucher haben, die dicht beieinanderliegen." Mithin wären sie verhältnismäßig einfach über ein Nahwärmenetz miteinander zu verbinden.

In dem "Südstadt" genannten Quartier befinden sich außer Wohnhäusern beispielsweise auch die Realschule plus, die Pommerbachschule, das Mehrgenerationenhaus Schieferland sowie das Alten- und Pflegeheim St. Josef. Rund 24 Hektar groß ist das Quartier, neun Wohnblocks (84 Wohneinheiten) innerhalb der festgelegten Grenzen stammen aus den 1960er-Jahren, haben zum größten Teil noch eine Einscheibenverglasung und sind schlecht isoliert. Unter energetischen Aspekt gibt es hier also durchaus Verbesserungspotenzial. "Wir müssen uns auch die Häuser anschauen und gucken, was beim Dämmen ökonomisch sinnvoll machbar ist", so Heck.

"Energiedorf Cochem-Zell" - das ist zuallererst ein Klimaschutzprojekt. 300 000 Liter Heizöl pro Jahr sollen über eine verbesserte Dämmung und ein möglichst gut ausgelastetes Nahwärmenetz allein in Kaisersesch eingespart werden können, unterstreicht Heck. Wobei der Ansatz bewusst auch wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigt. Die Devise lautet: "Keiner zahlt am Ende mehr für seine Wärme, aber alle haben mehr, weil wir einfach die Flüsse des Geldes ändern", erläutert Heck. Die Verbraucher sollen ihre Euros eben nicht mehr für Öl aus arabischen Staaten oder für Gas aus Russland ausgeben.

Zum Beispiel Grünschnitt und Holz aus der Region sollen die Energieträger sein, über die das Kaisersescher Nahwärmemetz versorgt wird. Wobei der Energiemix speziell auf die Verhältnisse in der Eifelstadt zugeschnitten sein wird. Von einer klassischen Holz- über eine Pellet- oder Grünschnittheizung für den Winter bis zur Solarthermie für Sommertage sei alles denkbar. Nur gilt es eben noch zu schauen, was auch tatsächlich sinnvoll ist.

In einem halben Jahr werde man hoffentlich genauer sagen können, wie das Kaisersescher Nahwärmenetz konkret aussehen könnte, konstatiert Heck. Damit das gelingen kann, wird IfaS-Mitarbeiter Dr. Alexander Reis in den nächsten Wochen mit allen großen Wärmekunden sprechen. Er wird abfragen, wer wie viel Energie verbraucht und wie hoch die Kosten dafür sind. Ziel ist es, einen Gesamtwärmebedarf zu ermitteln. Aus dem lässt sich dann grob errechnen, bei welchem Wärmepreis man letztlich realistischerweise landen kann.

In diesem Punkt braucht es seriöse Prognosen. Ohne handfeste Anreize dürfte es nämlich nicht gelingen, möglichst viele Kaisersescher davon zu überzeugen, ihren Haushalt ans Nahwärmenetz anschließen zu lassen. Vorplanungs- und Kommunikationsaufwand sind enorm, denn: "Wir müssen ganz, ganz viele Einzelne in ein System hineinbringen", so Heck. Es muss also noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Da ist es sehr hilfreich, dass die Verantwortlichen in Stadt und Verbandsgemeinde hinter dem Energiedorf-Projekt stehen - sowohl in der Verwaltung als auch in den Räten.

quartier700

Bildinformation: In Kaisersesch könnte im Quartier Südstadt das größte Nahwärmenetz des Kreises entstehen. Quartiersgrenzen kommen nicht von ungefähr. Experten haben geschaut, welche Gebäude sich sinnvoll verbinden lassen. Illustration: IfaS

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